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22.05.2014

Und der Ausbildungsplatz geht an…

Zur Diskriminierung am Ausbildungsmarkt

Gleiches Alter, gleiche Abschlussnote, gleicher Geburtsort, gleiche Zusatzqualifikation – und trotzdem werden Ausbildungsplatzinteressierte mit deutschem Namen bevorzugt. Schlechte Chancen am Ausbildungsmarkt wegen Migrationshintergrund? Leider die bittere Realität. Aber das muss ja nicht so bleiben. Nein: Es DARF nicht so bleiben!

Zu den diskriminierenden Praktiken am Ausbildungsmarkt liefert eine Forschungsstudie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) alarmierende Zahlen und Erkenntnisse.

Danach zeigen sich signifikante Unterschiede bei der Bewerberauswahl – und zwar bei nahezu identischen Bewerbungen und selbst dann, wenn die Bewerberfotos deutscher und türkischer Bewerber_innen ausgetauscht wurden. Allein der deutsche oder eben türkische Name scheint ein eklatant wichtiges Entscheidungskriterium für Personalabteilungen zu sein.

Die Forschungsergebnisse auf einen Blick: beschämend!

  • Im direkten Vergleich von „Schultheiß“ und „Yilmaz“ steht es 4:7, das bedeutet: der Bewerber mit deutschem Namen musste pro Vorstellungsgespräch im Schnitt vier Bewerbungen schreiben, der Bewerber mit türkischem Namen benötigte durchschnittlich sieben Bewerbungen für eine Einladung.
  • Mit dem Nachnamen „Yilmaz“ wird der Bewerber eher per Post kontaktiert als telefonisch. Obendrein wird er häufiger geduzt als der Bewerber mit dem Nachnamen „Schultheiß“.
  • Ganz besonders drastisch sind die Benachteiligungen für Bewerber_innen mit Migrationshintergrund in kleinen und mittelständischen Unternehmen. In Großbetrieben ist Diskriminierung durchaus auch an der Tagesordnung, aber nicht ganz so vorherrschend.
  • Nur ein wenig besser sieht die Lage für den Bewerber mit türkischem Hintergrund aus, wenn es sich um eine Stelle als Bürokaufmann und nicht als Kfz-Mechatroniker handelt.

Die Datenbasis der Studie waren 3.500 fiktive und nahezu identische Bewerbungen an insgesamt 1.800 Betriebe. Und das Ergebnis beweist: Jugendliche fallen nicht nur wegen schlechteren Startchancen und mangelnden Förderangeboten aus dem System, sondern eben auch nur allein aufgrund ihrer Herkunft.

Fadenscheinige Begründungen der Betriebe für ihre diskriminierende Bewerberwahl gibt es natürlich auch: „Wie finden das denn die Kolleg_innen oder die Kundschaft?“ Und vor allem kleinere Unternehmen haben schlicht und einfach keine Erfahrung, weil sie grundsätzlich immer nur deutsche Bewerber_innen zum Zug kommen lassen.

Die ver.di Jugend gegen Diskriminierung: im Workshop, im Netz und überall sonst!
Jan Duscheck, Bundesjugendsekretär der ver.di, bringt es auf den Punkt: „Das kann so nicht stehen bleiben. Und es darf auch nicht nur zur Aufgabe der Jugendlichen gemacht werden, dieses Problem zu lösen!“

Die ver.di Jugend hat das Thema also selbst angepackt und zusammen mit den Bereichen Migrantinnen und Migranten und Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik der ver.di Bundesverwaltung einen Workshop zum Thema veranstaltet.

Unter dem Motto „Auszubildende mit Migrationshintergrund – Handlungsfelder für Jugend- und Auszubildendenvertretungen in Betrieben und Dienststellen“ fand am 19. Mai 2014 in der ver.di Bundesverwaltung in Berlin ein Treffen statt. Hier wurden gemeinsam mit Fachleuten arbeitsmarktpolitische und betriebliche Lösungsansätze vorgestellt, um Auszubildende mit Migrationshintergrund besser zu integrieren und gesellschaftlich teilhaben zu lassen.

Erstmal gab es einigen Input zur Lage am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt beim Thema Diskriminierung und zur wirksamen Unterstützung von jungen Migrant_innen im Arbeitsleben. Danach wurden in mehreren Arbeitsgruppen Handlungsmöglichkeiten betrieblicher Interessenvertretungen und Anforderungen an die Ausbildungs- und Arbeitsmarktpolitik erarbeitet.

Zum Abschluss formulierten alle Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse als konkrete Forderungen an die Integrationspolitik. Noch in diesem Sommer wird die ver.di Jugend alle Forderungen aus dem Workshop in den Bundestag an die dort vertretenen Parteien herantragen.

Gegen Benachteiligung von Migrant_innen haben wir nämlich was – und wir kennen darauf nur eine Antwort: Nein zu Diskriminierung!

Rund um das Thema haben wir sogar eine ganze Website: Unser Infoportal gegen Diskriminierung in jeder Form findet ihr unter www.aktiv-gegen-diskriminierung.info im Netz. Surft vorbei, informiert euch, holt euch gute Argumente gegen Nazi-Idiotien und wehrt euch – bei Bedarf mit uns als Rückendeckung!