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23.10.2013

JAV unter Druck!

Wie Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung an der Uniklinik Düsseldorf eingeschüchtert werden

Schon für nicht dauerhaft freigestellte Personalräte bergen die für sie geltenden Schutzmechanismen und Freistellungsmöglichkeiten ein unerschöpfliches Konfliktpotenzial mit Vorgesetzten. Noch problematischer sind sie allerdings für Auszubildende, denn gegen JAVen kann der Arbeitgeber zusätzlichen Druck ausüben – zum Beispiel durch Ausbildungsbewertungen und (Zwischen-)Prüfungsergebnisse. Solche Maßnahmen sind leider immer wieder gängige Praxis, so auch in den Unikliniken Düsseldorf.

Die JAV ist so wichtig wie ihr Ziel: Sie will eine qualitativ hochwertige Ausbildung sicherstellen, inhaltlich fundiert und auf dem freien Arbeitsmarkt anerkannt. Übernahme nach der Ausbildung ist schließlich nicht selbstverständlich. Innerhalb der gesetzlichen Grenzen arbeitet die JAV daher stetig an Verbesserungen:

  • Personalengpässe dürfen nicht weiter durch Auszubildende kompensiert werden!
  • Die verschiedenen Ausbildungsbereiche müssen mit dem Ausbildungsrahmenplan konform gehen!
  • Die praktische, fundierte Anleitung durch eine_n Ausbnilder_in ist ein Muss!
  • Fachliche Qualifikationen und inhaltliche Rückfragen von Auszubildenden müssen ernst genommen werden!
  • Vorgesetzte dürfen die JAV in ihrer Arbeit nicht behindern und müssen den Auszubildenden die Teilnahme an (gesetzlich vorgeschriebenen) Veranstaltungen gestatten!

An den Unikliniken Düsseldorf sieht der Alltag leider ganz anders aus. Hier wurde der JAV zu Beginn ihrer Amtszeit eine notwendige Rechtsschulungsmaßnahme erst nach Unterstützung des gewerkschaftsnahen Bildungsträger genehmigt. Auch die Nichtzulassung zu Examens- oder Abschlussprüfungen scheint als Druckmittel gerade recht: Mit Verweis auf die Tätigkeit als Jugend- und Auszubildendenvertretung werden dazu etwa Leistungen als "nicht bewertbar" eingestuft oder Beurteilungen nach Ausbildungsabschnitten vorenthalten.

Doch damit nicht genug: Individuelle Mitglieder der JAV wurde bei einem Pflichttermin mit ihren Ausbilder_innen nahegelegt, im Interesse ihrer Ausbildung ihr Mandat niederzulegen. Und schließlich kontaktierte der Arbeitgeber sogar einige Eltern, um zu verdeutlichen, wie ungünstig sich ein weiteres Engagement in der JAV auf eine erfolgreiche Ausbildung auswirken könnte!

Die JAV der Unikliniken Düsseldorf versuchte innerbetrieblich über die rechtlichen Grundlagen aufzuklären – leider ohne Erfolg: Es kam zu keinen gemeinsamen Vereinbarungen mit Ausbildungsleitung, Personalabteilung, Klinikleitung oder Vorgesetzten. Mit Unterstützung der ver.di Jugend forderte die JAV daraufhin den Arbeitgeber auf, alle regelwidrigen Erschwernisse zu unterlassen und das auch schriftlich zuzusagen – ohne Reaktion. Mittlerweile ist die gesetzte Frist verstrichen und die Barrieren bestehen weiterhin.

Für eine entsprechende Unterlassung durch den Arbeitgeber bleibt der JAV damit nur noch der Rechtsweg. "Wir lassen uns nicht einschüchtern!" wettert Jan Duscheck, ver.di Bundesjugendsekretär, zur aktuellen Lage. "Die ver.di Jugend bietet der JAV im Ernstfall jede notwendige Rückendeckung. Denn gerade, wenn Arbeitgeber zu solchen Maßnahmen greifen, ist die Notwendigkeit einer regelmäßigen und intensiven Interessenvertretung besonders hoch."

Hoffen wir, dass die JAV damit alsbald die wirklichen Probleme in den Unikliniken Düsseldorf angehen kann – nämlich eine absolut desolate und nicht zufriedenstellende Ausbildungssituation.

Lasst euch nicht unterkriegen! Wir wünschen viel Erfolg und sind jederzeit für euch da – eure ver.di Jugend