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12.03.2013

Ausbildungsreport Pflegeberufe 2012

Mangelhafte Praxisanleitung und fehlende Fachbücher

Der aktuelle Ausbildungsreport Pflege macht deutlich: Auszubildende sind zwar zufrieden mit der Kompetenz ihrer Ausbilderinnen und Ausbilder, nur reicht meist deren Zeit nicht aus für eine ordentliche Anleitung. Außerdem fehlen kostenlos zur Verfügung gestellte Ausbildungsmittel, insbesondere teure Fachbücher.

In 2012 hat ver.di zum zweiten Mal in einer umfangreichen, bundesweiten Erhebung Auszubildende in Pflegeberufen nach der Qualität ihrer Berufsausbildung gefragt. Beteiligt haben sich 2.660 Auszubildende aus 14 Bundesländern. Die Ergebnisse offenbaren einigen Handlungsbedarf – seitens der Politik, der Betriebe aber auch der Interessenvertretungen.

Neben der hohen Arbeitsbelastung durch fehlendes Personal und dem Arbeiten unter Zeitdruck beklagten die Befragten auch die auf der Strecke gebliebene Praxisanleitung. Rund ein Drittel der Auszubildenden fühlt sich überwiegend nicht bzw. nicht gut angeleitet. 80,8 Prozent der Auszubildenden – das sind deutlich mehr als im Vorjahr – sind der Meinung, dass mehr Praxisanleiter_innen erforderlich sind. Lediglich zwölf Prozent finden die Anzahl ausreichend.

Die Ergebnisse machen auf ein Problem in den Rechtsgrundlagen der Ausbildung aufmerksam. Sowohl im Krankenpflege-, als auch im Altenpflegegesetz fehlt eine ausreichend präzise Regelung über Art und Umfang der praktischen Anleitung. Insgesamt zufriedenstellend wurden dagegen die Fähigkeiten der Praxisanleitenden bewertet. Rund 80 Prozent gaben an, dass sie ihre Anleiterinnen und Anleiter für gut qualifiziert halten.

Fehlende Fachbücher
Nach geltendem Recht muss der Ausbildungsträger den Auszubildenden die Ausbildungsmittel kostenlos zur Verfügung stellen, welche zur Ausbildung und zum Ablegen der staatlichen Prüfung notwendig sind. Für Auszubildende in der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege zählen dazu ausdrücklich auch die Fachbücher für den theoretischen Unterricht.

Insgesamt bejahten nur 28,2 Prozent die Frage, ob ihnen alle notwendigen Fachbücher bereitgestellt werden. Die Altenpflege schneidet dabei mit 13,8 Prozent wesentlich schlechter ab als die Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege, bei der immerhin 38,7 Prozent mit Fachbüchern versorgt wurden.

Angesichts der eindeutigen Rechtslage ist es nicht hinnehmbar, dass fast zwei Drittel der Auszubildenden in der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege nicht die ihnen zustehenden Fachbücher kostenfrei bekommen. Rund 60 Prozent müssen 30 bis 120 Euro selbst tragen. Für 21,6 Prozent wurden nach eigenen Angaben sogar zwischen 120 und 200 Euro fällig. Meistens müssen die Auszubildenden das Geld beim Ausbildungsbeginn aufbringen – also zu einem Zeitpunkt, zu dem entweder nur wenig oder noch gar keine Ausbildungsvergütung gezahlt wurde.

Gute Interessenvertretung macht zufrieden
Gibt es eine betriebliche Interessenvertretung, die sich fortwährend für die Verbesserung der Arbeits- und Ausbildungsbedingungen der Beschäftigten und Auszubildenden einsetzt, hat das ebenfalls eine Wirkung auf die Auszubildenden. JAVen und Betriebs- sowie Personalräte wachen über tarifliche und gesetzliche Regelungen und schaffen dadurch im besten Fall einen Rahmen, der den Auszubildenden eine erfolgreich absolvierte Pflegeausbildung ermöglicht.

Die Ergebnisse der Befragung weisen vor allem auf einen Zusammenhang zwischen der Arbeit einer betrieblichen Interessenvertretung und der Zufriedenheit der Auszubildenden in der Pflege hin. Interessenvertretungen können auf vielfältige Weise das Arbeitsklima und die Ausbildungsbedingungen – und somit die Zufriedenheit der Auszubildenden – positiv beeinflussen.

Je besser also die Arbeit der betrieblichen Interessenvertretung wahrgenommen wird, desto höheren Einfluss hat ihre Arbeit auf die Zufriedenheit der Auszubildenden. Von den Auszubildenden, die sehr zufrieden mit der Arbeit ihrer betrieblichen Interessenvertretung sind, gaben 62,5 Prozent an, auch sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrer Ausbildung zu sein.

Es gibt viel zu tun
Die praktische Ausbildung hat in den Pflegeberufen einen großen Stellenwert. Deshalb müssen die kritisierten Mängel zügig behoben werden. Die Ergebnisse der Befragung deuten darauf hin, dass Auszubildende, die ihrer Bewertung nach eine gute Praxisanleitung erhalten, sich deutlich eher den Anforderungen ihrer Ausbildung gewachsen fühlen.

Die notwendigen Rahmenbedingungen für eine gute Ausbildung muss einerseits der Gesetzgeber schaffen, z. B. durch eindeutige Regelungen über Art und Umfang der praktischen Anleitung. Andererseits können JAVen einiges in die Wege leiten, um Missstände in ihrem Betrieb anzuprangern und zu beheben – gemeinsam mit der ver.di Jugend als starke, gewerkschaftliche Rückendeckung.

Alle Ergebnisse zum Download
Die Ergebnisse des Ausbildungsreports Pflegeberufe 2012, zusammengefasst in einer übersichtlichen Präsentation, gibt es zum kostenlosen Download als PDF – ebenso wie den kompletten Ausbildungsreport Pflegeberufe 2012.

Eine Präsentation als editierbare ppt-Version mit umfangreichen inhaltlichen Erläuterungen ist außerdem im ver.di-Mitgliedernetz zum Download abrufbar.